Das Bonding – Die Mutter-Kind-Bindung

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Schwangerschaft und Geburt

Vor der Geburt waren Sie mit Ihrem Baby so eng vereint, Sie haben es so umfassend berührt, wie es nie mehr wieder möglich sein wird. In der Gebärmutter war das Baby behütet, kannte Gefühle wie Hunger, Durst, Kälte und Hitze nicht. Es wurde mit einem großen Teil der Gebärmutterinnenfläche berührt, erlebte Schwerelosigkeit im Fruchtwasser, gedämpfte Geräusche, das regelmäßige Schlagen des mütterlichen Herzens.

Durch den Geburtsakt wurde das Baby in eine vollkommen andere Daseinsform gebracht. Es wurde nicht mehr über die Nabelschnur mit Sauerstoff versorgt, die Lungenflügel mussten sich entfalten und das eigene Atmen musste beginnen. Ebenso mussten die Leber und der Darm ihre Tätigkeit aufnehmen, auch das war im Mutterleib nicht nötig. Das Baby muss sich also vom Leben im Wasser auf ein Leben an Land umstellen! Der Tastsinn und das Gehör sind beim Neugeborenen zu Beginn des Lebens außerhalb des Mutterleibes die wichtigsten und ausgeprägtesten Sinne. Mit diesen beiden Sinnen wird sein ganzes Dasein und seine Umgebung wahrgenommen.

Bonding – Der erster Körperkontakt

Das sogenannte Bonding (Mutter-Kind-Bindung) ist der wichtigste Wahrnehmungsprozess für Mutter und Kind in den ersten Lebensminuten und Stunden nach der Geburt.

Der erste Körperkontakt, das Fühlen der warmen, feuchten Babyhaut, die Geräusche und auch Bewegungen sind für die Mutter die prägenden Erfahrungen nach der Geburt. Das Hormon Oxytocin, das bereits für die Wehentätigkeit unter der Geburt zuständig ist, löst nach der Geburt zusätzlich die typischen Verhaltensweisen des Annehmens bei der Mutter aus.

Sprechen mit dem NeugeborenenFür das Baby ist es das Erkennen des Herzschlages und der Stimme der Mutter, der Hautkontakt, Schutz und Halt, der die erste kindliche Bindung ermöglicht. Das erste, ungestörte Kennenlernen ohne störende Babykleidung sollte ein wichtiger Bestandteil des Bondingprozesses sein. Natürlich ist es möglich, dass dieser Prozess durch notwendige Untersuchungen unterbrochen wurde. Nehmen Sie sich dann umso mehr ungestörte Zeit im Wochenbett. Legen Sie sich das nackte Neugeborene häufig auf den nackten Bauch und die Brust und genießen Sie den Hautkontakt. Gerade nach anstrengenden und schwierigen Geburten oder auch nach Kaiserschnitten ist ein häufiger Körperkontakt ein guter und wichtiger Weg sich gegenseitig Trost und geistige Heilung zu spenden.

Neugeborene lieben in der Regel Enge! Im Laufe meiner Berufstätigkeit ist mir immer mehr bewusst geworden, dass es wichtig ist, den Kindern Begrenzungen zu geben. In der ersten Zeit des Bindungsprozesses nach der Geburt wird das Baby untersucht, gemessen und gewogen und dies geschieht im Allgemeinen an einem gut beheizten Platz mit abgedunkeltem Licht. Ohne Abgrenzung fühlt sich ein Neugeborenes unwohl und reagiert meist mit Schreien, erst das Anziehen der Kleidung stellt wieder eine Begrenzung her. Das Baby beruhigt sich dann meist relativ schnell wieder, am besten natürlich an der Brust der Mutter oder dem Körper des Vaters. Günstig ist auch, das Baby in ein warmes, weiches Tuch oder eine atmungsaktive Decke zu packen. Wärmehüllen sind eine wichtige Unterstützung in den ersten Lebenstagen und Wochen eines Neugeborenen und wirken sich günstig auf alle Lebensfunktionen eines Kindes aus.

 

Die ersten Tage zu Hause – Empfindungen und Seelenleben des Neugeborenen

Die ersten Tage daheim sind auch für Ihr Kind wieder eine große Umstellung. Die Lichtverhältnisse, Geräusche, Temperaturen unterscheiden sich von den Verhältnissen in der Klinik. Während sich Kinder, die zu Hause geboren wurden bereits an die bestehenden Verhältnisse gewöhnen konnten, müssen sich die im Krankenhaus geborenen Kinder noch einmal umgewöhnen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass sich nun vollkommen andere Prozesse als in den ersten Tagen einstellen können, da Sie selbst auch ganz andere Lebensrhythmen haben werden, als sie Ihnen die Klinikroutine aufgenötigt hatte.

Mutter mit Baby auf der Schulter

Sie sind nun wieder daheim und nehmen Ihr gewohntes Leben wieder auf. Zumindest werden Sie dies versuchen, aber eben bald feststellen müssen, dass nun die Bedürfnisse einer weiteren Persönlichkeit befriedigt werden wollen! Ihr Baby hat sich noch nicht umgestellt vom Leben im Bauch, hatte bisher keinen Tag / Nachtrhythmus, weiß nichts von der anstrengenden Arbeit, der Papa nachgehen muss oder vom Geschwisterchen, das am Tag nun eben nicht schläft, sondern Sie ganz besonders auf Trab hält!

Die ersten Tage und Wochen mit einem Neugeborenen sind meist anstrengend. Noch wissen wir die Zeichen nicht zu deuten, die das Kind uns signalisieren will, verstehen oft noch viele Botschaften falsch. Trotzdem ist diese Zeit geprägt von ganz viel Liebe und Wärme. Ihr Kind ist noch ein unbewusster Teil von Ihnen. Es hat sich auch noch nicht ganz verabschiedet von seinem geborgenen Leben im Mutterleib.

Ihre Iris Edenhofer

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